Landwirt schafft noch

ein Text von Oliver Braig

LANDWIRTSCHAFT, WO NOCH EIN LANDWIRT SCHAFFT

oder

WO IN DER ZUKUNFT EIN PAAR WENIGE INDUSTRIEBETRIEBE, LAND INDUSTRIELL BEARBEITEN

 

 

Wo sind wir nun? Ja, diese Frage ist berechtigt, denn niemand scheint es zu wissen. Wir alle scheinen es nicht zu wissen. Auf dem Raumschiff Erde kreisen wir um die Sonne. Wir bemerken es nicht, aber wir wissen es. Kopernikus hat uns über den Tellerrand hinausschauen lassen. Wahrscheinlich war die Öffnung des Horizontes, die er ermöglicht hat, zu groß. Unter dem Himmelszelt der katholischen Kirche haben wir uns wohler gefühlt, auch wenn sie bereit war, mit Personen die anders dachten, sehr weltlich, bisweilen nicht zimperlich bis gar tödlich, zu verfahren. Auch wenn Gott eine sehr dunkle Seite hat, so ist sie nicht so erschreckend, wie jener endlos offene Horizont, den uns Kopernikus gezeigt hat.

Was ist Raum?

Was ist Weltraum?

Und was ist, wenn wir begreifen müssen, dass wir auf einem Körper im Weltraum leben?

Wir leben auf einem Raumkörper, in einer gottlosen Welt, in einer Welt ohne Gott, die aus mehreren Welten und mehreren Welträumen besteht.

Das Universum ist endlos, weil es unzählig viele Universen gibt. Das einzige das uns daran hindert, diesen Reichtum und die damit einhergehende Verantwortung zu begreifen, ist Gott, oder sagen wir mal, die Idee von Gott. Denn die Idee von Gott beherrscht uns so elementar und lässt deswegen nicht zu, dass wir uns, für etwas anderes öffnen. Wenn ich mir Oberschwaben ansehe, dann sehe ich in jedem Dorf den stattlichen Kirchturm. Leider können wir uns deswegen nichts anderes mehr vorstellen, auch wenn schon längst um uns herum, ein noch recht junger, aber mächtiger Gott wütet. Der Kapitalismus ist über alles hinweggefegt und hat sich um uns herum, so mir nichts dir nichts, unbemerkt ausgebreitet und fest installiert. Die Dörfer bluten im Kern. Sie fangen zu verwaisen an. Die Jungen haben sich Häuser am Rand vom Dorf im Neubaugebiet gebaut. Man ist gern unter sich. Am Sonntag trifft man sich mitunter, noch, wenn die Gemeinde eine lebendige ist, zum Gottesdienst. Am Montag rufen uns aber schon die Lockangebote, die Gebote des neuen Gottes, in das Industriegebiet, wo sich ALDI und LIDL befinden. Dort wo früher noch Felder und Wiesen waren, da befinden sich nun kleine Industriegebiete und in ihnen, die Discounter. Man kann praktisch mit dem Auto hinfahren und umsonst parken. Und hier bekommen wir alles und immer auch etwas mehr, als wir eigentlich wollten. Das eine oder andere, war aber so günstig, dass wir alten Jäger und Sammler, dieses Schnäppchen machen mussten. Und wer rechnen kann, der weiß, dass es sich gelohnt hat. Jeder von uns kann sich das doch ausrechnen. Gewinn nennt sich das. Und Gewinn ist das, was am Ende der Kosten-Nutzen-Rechnung herauskommt. Und wenn dies, was unter Strich steht, schwarz ist, dann hat es sich gelohnt. Und vielleicht wird dies auch das Einzige in unseren Leben gewesen sein, das uns je wirklich interessiert hat. Was wir auf unserem Konto haben.

 

Am Sonntag gehen wir, wie gesagt, mitunter noch zum Gottesdienst. Zum Gottesdienst im alten Kern des Dorfes, wobei wir wissen, dass dieser Gott, nur noch am Sonntag von uns bedient wird. Der neue Gott, im Industriegebiet, dort am Rand vom Dorf, seine Filiale hat von Montag bis Samstag geöffnet, und zwar von 8 bis 20 Uhr. Aber damit müssen wir selbst klarkommen. Tun wir auch. Und wenn nicht, dann setzen wir uns an den Rechner und bestellen uns was wir brauchen oder dringend glauben haben zu müssen bei AMAZON. AMAZON Prime. Hermes bringt es uns dann blitzschnell, auch wenn er nur gebrochen deutsch spricht und mitunter sehr gestresst wirkt. Wir kriegen schon was wir wollen. Wir sind nicht umsonst die schrecklichen Kinder der Neuzeit. Aber, aber wir haben es doch verdient. Wir haben es so sehr verdient. Und weil wir es so sehr verdienen, deswegen haben wir es auch bekommen.

 

Draußen weht ein rauer Wind. Er fegt über die abgeernteten Felder. Schutzlos sind die offen gelegten Böden der Erosion ausgesetzt. Weit und breit keine Tiere. Wo auch? Wie auch? Dies hier ist eine landwirtschaftliche Industriebrache. Im Winter ist hier Nichts als schutzlose Leere, die Deinen Blick öde in den kargen Horizont hinein begleitet. Was siehst Du dort? Was? Aber wie immer, wird Dir, zu all dem, das Du selbst angerichtet hast, nichts einfallen. Aber das ist doch Deine Produktionswüste. Da kannst Du sehen, wie wüst das ist, was du produziert hast. Kann man nur dann effizient produzieren, wenn man wüst ist? Wüst gegenüber der Erde und den Menschen, die für Dich arbeiten? Aber man kann wohl nur dann, mehr Beute machen, als man selbst je erbeuten könnte, wenn man damit beginnt, andere auszubeuten. Ist das ein Maxime des Kapitalismus?

Wenn wir schon dabei sind, in diese negative Richtung zu denken, dann denken wir diesen Exkurs konsequent zu Ende. Ein Argument hat uns in unserer Aufzählung noch gefehlt: Das ist der Fortschritt. Und weil man mit dem Fortschritt mithalten muss, um nicht abgehängt zu werden, deswegen gehen wir jeden dieser sogenannten Fortschritte auch mit. Bedingungslos. Ist nicht aber jeder Fortschritt, wenn wir nach dem Wort gehen, auch, ein Schritt fort? Einen Schritt weiter. Fortschritt. Denn nur der Fortschritt bringt uns weiter. Weiter voran. Immer weiter. Und auch immer weiter, fort. Schutzlos sind die offen gelegten Böden der Erosion ausgesetzt. Weiter oben haben wir, in anderem Zusammenhang, diesen Satz gelesen. Nun steht er hier. In einem neuen, in einem anderen Zusammenhang. Kann der Mensch immer nur fortschreiten. Muss der Mensch immer voranschreiten. Immer genauso schnell sein, wie die anderen, um nicht abgehängt zu werden. Oder will der Mensch gar nicht mehr stillstehen? Kann er gar nicht mehr still stehen, weil er weiß, dass er in dem Moment, im Moment des Stillstehens, ob er will oder nicht, sich ansehen muss, was er die ganze Zeit über gemacht hat, aber schlimmer noch, dass er sich ansehen muss, wer er ist und was er, gemacht hat. Was ist, wenn wir mit-ansehen müssen, was wir fortschreitend, sagen wir mal, rasend, gemacht haben? Müssen wir in diesem schrecklichen Moment, im Moment des Stillstandes, erkennen und dann leider begreifen, dass wir, es waren und wir also dafür, verantwortlich sind?

Der verantwortliche Mensch.

Der für sich selbst verantwortliche Mensch.

Willst Du dafür die Verantwortung übernehmen?

Für die Verantwortungslosigkeit des Menschen?

 

Keiner will das und keiner kann das. Niemand muss es.

Wo sind wir nun? Ja, diese Frage ist berechtigt, denn niemand scheint es zu wissen. Wir alle scheinen es nicht zu wissen. Auf dem Raumschiff Erde kreisen wir um die Sonne. Wir bemerken es nicht, aber wir wissen es. Kopernikus hat uns über den Tellerrand hinausschauen lassen. Wahrscheinlich war die Öffnung des Horizontes, die er ermöglicht hat, zu groß. Unter dem Himmelszelt der katholischen Kirche haben wir uns wohler gefühlt, auch wenn sie bereit war, mit Personen die anders dachten, sehr weltlich, bisweilen nicht zimperlich bis gar tödlich, zu verfahren. Auch wenn Gott eine sehr dunkle Seite hat, so ist sie nicht so erschreckend, wie jener endlos offene Horizont, den uns Kopernikus gezeigt hat.

 

Nachdem der Mensch von der Erde verschwunden ist, wird sich die Erde vom Menschen erholen. Was wird der Mensch, solange er noch auf der Erde lebt, von dieser Erde, begreifen können?

 

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